Donnerstag, 12. Februar 2026

Rezension: Spielverderberin von Marie Menke


Spielverderberin
Autorin: Marie Menke
Hardcover: 224 Seiten
Erschienen am 12. Februar 2026
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
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Sophie stammt aus einer Bauernschaft im Süthland bei Bocholt und ist zum Studieren nach Köln gezogen. Eines Tages wird sie gemeinsam mit Romy von Lotte angechattet. Diese fragt, ob sie sich nicht zu dritt in der Heimat sehen wollen. Das Treffen ist kurz und merkwürdig, die drei haben sich seit vier Jahren nicht gesehen. Während Lotte in der Folge Sophies neue Mitbewohnerin in Köln wird, verschwindet Romy aus der Stadt und löscht ihre Onlineprofile. Immer wieder kehren Sophies Gedanken zu den vier Jahre zurückliegenden Ereignissen zurück, die alles verändert haben.

Der Roman beginnt mit dem ersten Treffen von Sophie, Romy und Lotte nach langer Funkstille. Die Gespräche der drei über ihr aktuelles Leben sind hölzern und ich merkte als Leserin schnell, dass sie nur wenige Gemeinsamkeiten teilen. Etwas Unausgesprochenes steht zwischen ihnen. Romy macht dazu nur Andeutungen, die Sophie in Unruhe versetzen. 

In den Wochen nach dem Treffen hadert Sophie mit der Frage, wie sie ihre Zukunft gestalten will. Gehört sie wirklich in die Stadt und kann das Landleben hinter sich lassen? Auch Romys Wegzug aus Köln lässt sie nicht los. Geradezug obsessiv wartet sie auf irgendeine Nachricht, wohin es sie verschlagen hat. Auf einer zweiten Zeitebene erfuhr ich nach und nach mehr über die Ereignisse vier Jahre zuvor, welche die Beziehungen der drei jungen Frauen zueinander für immer geprägt haben. Eine gemeinsame Freundschaft gab es nie, sondern die Bande zwischen den Dreien haben sich durch das Erlebte mehrfach verschoben. 

Immer wieder stellt sich Sophie die Frage, was wohl in ihrem Leben und mit ihrer Freundschaft zu Romy und Lotte geschehen wäre, wenn sie in entscheidenden Momenten andere Entscheidungen getroffen hätte. Gleichzeitig werden das Stadt- und das Landleben nebeneinander gestellt. Wer bleibt auf dem Land, wer geht und wer kommt zurück – und aus welchen Gründen? Gibt es hier ein richtig oder falsch, ein gut oder schlecht? Mich hat dieser Freundschaftsroman, in dem es ein Davor und Danach gibt, fesseln können, weshalb ich ihn gerne weiterempfehle.

Rezension: Spielverderberin von Marie Menke

 


Rezension von Ingrid Eßer


Titel: Spielverderberin
Autorin: Marie Menke
Erscheinungsdatum: 12.02.2025
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783462008739

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In ihrem Debütroman „Die Spielverderberin“ erzählt Marie Menke von der Freundschaft dreier junger Frauen. Eine von ihnen ist Sophie, die als Ich-Erzählerin den aktuellen Umgang mit ihren Freundinnen Romy und Lotte ebenso schildert wie gemeinsame Erlebnisse, die vier Jahre zurückliegen. Damals standen sie alle drei kurz vor dem Abitur. Titelgebend sind Situationen, in denen eine der Freundinnen nicht im Sinne der anderen handelt und dadurch Spannungen entstehen.

Sophie und Lotte sind in einer Bauerschaft im fiktiven Süthland aufgewachsen und von Kindheit an befreundet. Romy hingegen zog erst als Jugendliche mit ihren Eltern und ihrem Bruder in die nahegelegene Kleinstadt. Kennengelernt haben sich die drei auf dem Gymnasium.

Wenn Sophie davon berichtet, dass Lotte und Romy früher ohne sie etwas unternommen haben, erscheint sie zunächst nicht eifersüchtig. Doch ihre zunehmende Hinwendung zu Romy zeigt das Gegenteil. Sie bewundert deren frühe Unabhängigkeit im Denken und Handeln. Obwohl es Sophie gelingt, mehr Beachtung zu erhalten, hat sie nicht damit gerechnet, dass Romy ihre Pläne für die Zeit nach dem Abitur trifft, ohne ihre Freundinnen einzubeziehen.

Bereits auf den ersten Seiten des Romans deutet Marie Menke an, dass zu Beginn des Studiums etwas geschehen ist, dass Sophie nie vollständig verarbeitet hat. Lotte hat dabei sichtbare Wunden davongetragen. Diese Andeutung erzeugt eine unterschwellige Spannung bis zum Schluss, weil man als Lesende unbedingt wissen möchte, was damals vorgefallen ist.

Am Ende ihres Studiums befindet sich Sophie in einer Phase der Selbstfindung. Auch Lotte, die zunächst eigenständig erscheint, hat noch kein festes Ziel vor Augen. Sophie ist sich nicht sicher, ob sie nach dem Abitur die richtige Entscheidung bei der Berufswahl getroffen hat. Ihre Eltern haben ihr dabei freie Wahl gelassen, aber es wird deutlich, dass sie insgeheim etwas anderes erwarteten.

Wenn jemand sich vom Landleben begeistert zeigt, kommen Sophie Bedenken, ob sie nach Abschluss ihres Studiums in einer Stadt arbeiten möchte. Bei ihre Abwägungen bezieht sie stets ihre Freundschaften zu Lotte und Romy mit ein. Eine besondere Stärke des Romans ist die authentische Darstellung dieser inneren Konflikte, in der sich viele Lesende in der Rolle einer der Freundinnen wiederfinden werden.

In ihrem Debütroman „Spielverderberin“ schreibt Marie Menke eindringlich über die Freundschaft dreier junger Frauen und ihrem Leben zwischen Stadt und Land. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage durch die Geschichte, wie viele eigenständige Entscheidungen eine Freundschaft aushält. Gerne vergebe ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Rezension: Waschen? Kämmen? Aber klar! Fürs Foto wollen wir schickes Haar!


Waschen? Kämmen? Aber klar! Fürs Foto wollen wir schickes Haar!
Autorin: Katja Frixe
Illustratorin: Yvonen Sundag
Pappbilderbuch: 14 Seiten
Erschienen am 11. Februar 2026
Verlag: Penguin Junior
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Der Hase hat Geburtstag und lädt seine Freunde ein, mit ihm zu feiern. Als Geschenk wünscht er sich ein Foto mit ihnen. Sie laufen aufgeregt nach Hause, wo ihnen Familienmitglieder erklären, dass sie sich für das Foto schick machen sollten. Und so wird gebadet, geföhnt und frisiert.

Waschen und kämmen ist für meinen Sohn aktuell eine spannende Angelegenheit. Immer wieder möchte er mit mir "Haare waschen" spielen und versucht, sich mit seiner Babybürste selbst die Haare zu kämmen. Dieses Buch greift das Thema auf unterhaltsame Weise auf. Meerschweinchen, Maus, Hamster und Eichhorn sind ganz schmutzig und struppig und werden zu Hause für die Hasenparty schick gemacht. 

Jede Buchseite hat auf der rechten Seite eine Klappe und zeigt die Vorher-Nachher Situation beim hübsch machen. Die liebevolle Illustrationen zeigen wuselige und ruhigere Familiensituationen. Jedes Tier wird von einem anderen Familienmitglied frisiert - Mama, Papa, Oma und Opa kommen alle zum Zug, was ich schön finde. Hinter der letzten Klappe, welche die Aufstellung zum Foto zeigt, verbirgt sich schließlich eine lustige Überraschung. Ein wirklich schönes Buch rund ums Thema Wäschen, Kämmen und Frisieren für die Kleinsten!



Sonntag, 8. Februar 2026

Rezension: The Ordeals von Rachel Greenlaw

 


The Ordeals
Autorin: Rachel Greenlaw
Übersetzerin: Kerstin Fricke
Hardcover: 480 Seiten
Erschienen am 17. Januar 2026
Verlag: Klett-Cotta
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Sophia ist eine Illusionistin, doch ihre Magie einzusetzen erfordern hohen Kraftaufwand. Vor allem aber machen ein als Kind unterschriebener Vertrag und ein magisches Armband sie zur Gefangenen ihres Onkels. Er zwingt sie, gefährliche Aufträge für ihn zu erledigen, während ihm das Armband immer ihren Standort verrät. Daher hat Sophia es sich in den Kopf gesetzt, Studentin der magischen Elite-Akademie Killmarth zu werden: Dort soll es Runen geben, die verhindern, dass ihr Onkel ihr folgen kann. Mit einer List gelingt es ihr, vom Botaniker Alden den Ort der Aufnahmeprüfung zu erfahren. Doch die sogenannte Feuerprobe ist nur die erste potenziell tödliche Prüfung, die alle erwartet, die in Killmarth studieren wollen.

Von der ersten Seite an war ich mitten in der Geschichte gefangen. Sie beginnt am Tag der Feuerprobe, an dem ausgewählt wird, welche magiebegabten jungen Erwachsenen zur Killmarth Akademie reisen werden. Dort warten die sogenannten Ordeals, weitere Prüfungen, durch welche ausgewählt wird, wer stirbt und wer an der Akademie studieren darf. Schon die Feuerprobe endet für einige tödlich. 

Grundsätzlich hat mich irritiert, dass der Tod in diesem Buch einfach so hingenommen und als Auslese betrachtet wird. Wenn man das akzeptiert landet man in einer Geschichte voller hochspannender, weil eben lebensgefährlicher Momente. Dabei konnte ich Sophias Antrieb gut verstehen, den sie will sich endlich aus den Fängen ihres Onkels befreien. Die meisten anderen Anwärter, so auch Alden, stammen aus einflussreichen, magiebegabten Familien, die von ihren Nachkommen ein Studium in Killmarth schlichtweg erwarten. 

Zwischen den Prüfungen bleibt immer wieder Zeit, etwas zu verschnaufen und Einblicke in das Leben in Killmarth zu erhalten. Sophia schließt Freundschaften und vor allem die Schlagabtausche zwischen ihr und Alden sind unterhaltsam. Von Beginn an ist klar, dass es sich hier um eine Enemies-to-Lovers Story handelt. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und ich habe mitgefiebert, wann sich die beiden ihre Gefühle zueinander eingestehen. Daneben bleibt aber noch genug Raum in der Geschichte für Geheimnisse, die aufgedeckt werden wollen und eine Mordserie, die spekulieren lässt, wer der Täter ist. Zwischendurch gibt es immer wieder sehr große Zufälle, durch welche die Handlung auf mich sehr konstruiert wirkte.

Das Tempo bleibt hoch und Gefahr droht von allen Seiten. Neben den tödlichen Prüfungen und einem frei herumlaufenden Mörder kommt bald noch eine weitere Bedrohung dazu. Diese sorgt zum Ende hin für zusätzliche Spannung und einen überraschenden Showdown, der die Brücke zum zweiten Band schlägt. Ich bin schon gespannt auf die Fortsetzung empfehle das Buch an alle Fantasyfans weiter, die Lust auf eine Romantasy im Dark Academia-Setting haben. 




Samstag, 7. Februar 2026

Rezension: Kennst du das? 100 kunterbunte Sachen


Kennst du das? 100 kunterbunte Sachen
Pappbilderbuch: 16 Seiten
Erschienen am 26. Januar 2026
Verlag: FISCHER Sauerländer
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Wie viele Bananen sind auf der Seite mit den gelben Sachen abgebildet? Und wie viele Polizeiautos auf der Seite mit den blauen Sachen? In diesem kunterbunten, großformatigen Pappbilderbuch gibt es viel zu entdecken. Die Doppelseiten sind jeweils voller gelber, oranger, roter, blauer, grüner, brauner und bunter Sachen. Manches ist nur einmal abgebildet, andere Sachen sind bis zu zehn Mal auf der Seite versteckt - mal größer und mal kleiner.

Mein einjähriger Sohn war von diesem Buch aufgrund der knalligen Farben von Anfang an begeistert. Er zeigt auf die verschiedenen Dinge und möchte sie benannt wissen. Viele Dinge kennt er schon, ich kann z.B. die Fragen "Wo ist der Affe?" Und "Findest du noch einen Affen?" stellen und er begibt sich auf die Suche. Dabei zähle ich mit, sodass neben dem Spaß beim Suchen und Entdecken auch das Zählen spielerisch gelernt wird. Die Auswahl der Bilder finde ich gut, viele motorisierte Dinge für die mein Sohn sich sehr begeistern kann wie Radlager, Feuerwehrauto und Traktor sind ganz groß abgebildet. Es gibt auch viele Tiere, Obst und Gemüse und Alltagsgegenstände wie Gummistiefel oder einen Luftballon. Aufgrund der intensiven Farben macht das Buch auch schon ab 1 Jahr Spaß. Später wird der Aspekt des Zählens vermutlich noch mehr in den Vordergrund rücken, sodass wir sicher lange Freude mit dem Buch haben werden!

Donnerstag, 5. Februar 2026

Rezension: Die Routinen von Son Lewandowski

 


Rezension von Ingrid Eßer


Titel: Die Routinen
Autorin: Son Lewandowski
Erscheinungsdatum: 17.01.2026
Verlag: Klett-Cotta (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag
ISBN: 9783608967166

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In ihrem Debüt „Die Routinen“ wirft Son Lewandowksi mit großem Feingefühl einen genauem Blick auf die Welt der Kunstturnerinnen. Dokumentarische Elemente verwebt sie geschickt mit der fiktiven Geschichte von Amik, einer inzwischen zweiunddreißig Jahre alten Leistungsturnerin, die am Ende ihrer Karriere steht. Das Cover ist in den Farben Rot, Gelb und Blau gehalten, was möglicherweise eine Reminiszenz an Nadia Comaneci ist, die als eine der bis heute besten Turnerinnen gilt und für Rumänien unter einer Flagge mit eben diesen Farben startete.

Amik blickt auf ihre sportliche Laufbahn zurück und erinnert sich an prägende Momente der Sportgeschichte in ihrer Disziplin. Sie denkt an die belarussische Athletin Olga Korbut, die bei den Olympischen Spielen 1972 in München mit ihren Darbietungen begeisterte. Auch ich erinnere mich daran, wie ich als Neunjährige fasziniert ihre Schwünge am Stufenbarren während der Fernsehübertragung verfolgte. Die Eleganz, die sie dabei ausstrahlte, erschien mir erstrebenswert. Erst neun Jahre später brachte die Verletzung und der anschließende Rücktritt der Eiskunstläuferin Tina Riegel, die kaum zwei Jahre jünger als ich war, mich zum Nachdenken über die alltäglichen Einschränkungen junger Leistungssportlerinnen. Weitere Jahre später rückte schließlich auch öffentlich in den Fokus, welchen Übergriffen durch Trainer*innen viele von ihnen ausgesetzt waren und sind.

Ihr Trainer bittet Amik, ihre Erfahrung mit der jungen Turnerin Izzy zu teilen. Doch noch vor dem Höhepunkt ihrer Karriere verunglückt diese schwer. Nun bleibt Amik nur, sich im Krankenhaus um sie zu kümmern. Die Autorin nutzt die Beziehung der beiden Frauen, um Amiks Gefühle herauszuarbeiten, sowohl jene, die sie für die andere in den Momenten in ihrem gemeinsamen Zimmer empfindet, als auch während der Trainingseinheiten und Wettkämpfe. Izzy steht dabei stellvertretend für all jene Konkurrentinnen, mit denen Amik einerseits eine Gemeinschaft bildet, ein „Wir“, wenn sie geschlossen für ihre Land antreten, mit denen sie andererseits jedoch um Startplätze und Anerkennung rivalisiert.

Son Lewandowski gewährt Einblicke in den Tagesablauf der Mädchen und Frauen. Da dieser nahezu vollständig vom Training bestimmt ist, bleibt kaum Spielraum für andere Aktivitäten. Dennoch sind es zahlreiche Themen, die Son Lewandowski in die Handlung einbindet. Sie schaut auf die Körper der jungen Frauen und schildert den ständigen Kampf mit Gewicht, Beweglichkeit und der Tatsache, einen erwachsenen Körper zu entwickeln. Damit verbunden ist auch ein Prozess der Emanzipation: die Leistung in den Mittelpunkt stellen statt auf die öffentliche Zurschaustellung des Körpers sowie die Forderung nach einem Training ohne Gewalt und Übergriffe.

Die formale Gestaltung des Textes, bei dem die Autorin immer wieder Sätze separiert oder wiederholt, ruft die Schattenseiten des Systems Kunstturnen nachdrücklich ins Bewusstsein. Gleichzeitig bleibt der Schreibstil von Respekt gegenüber den Leistungen der Athletinnen geprägt und zollt ihnen Hochachtung für die Entbehrungen, die sie nicht nur zum eigenen Ruhm, sondern auch für den ihres Landes auf sich nehmen.

„Die Routinen“ von Son Lewandowski ist ein eindrucksvolles Debüt, das fiktive Erzählung mit sporthistorischen Bezügen und gesellschaftskritische Fragen des Kunstturnen verknüpft, einem in der Öffentlichkeit oft angeschauten und aufgrund der körperlichen Höchstleistungen faszinierenden Sports. Der schonungslose Blick der Autorin schaut jedoch auch auf die Kehrseite der Medaillen und verdeutlicht die Machtstruktur, die Gehorsam erwartet und den Schmerz ignoriert. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.

Sonntag, 1. Februar 2026

Rezension: Die Routinen von Son Lewandowski

 


Die Routinen
Autorin: Son Lewandowski
Hardcover: 272 Seiten
Erschienen am 17. Januar 2026
Verlag: Klett-Cotta
Link zur Buchseite des Verlags

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Amik sitzt im Publikum der Turn-Europameisterschaften, als sie den schweren Sturz von Izzy beobachtet. Diese hat jahrelang mit ihr ein Zimmer geteilt und gilt als neue Hoffnungsträgerin, während Amik selbst es nach vielen erfolgreichen Wettkämpfen nicht mehr in den Kader geschafft hat. Nun sitzt sie am Krankenbett der komatösen Izzy und reflektiert ihren eigenen Werdegang. Parallel dazu erzählt ein kollektives Wir die Geschichte all der Turnerinnen, die seit den 1960er Jahren viel geopfert haben, um erfolgreich zu sein – ihre Kindheit, ihre Gesundheit und noch mehr.

Der Roman beginnt mit dem Sturz von Izzy, nach dem ich jedoch erst einmal nicht erfuhr, wie es ihr geht. Stattdessen beginnt nach wenigen Seiten das kollektive Wir mit seinen Erinnerungen, beginnend bei Nadia Comaneci. Es erzählt von der harten Arbeit der Turnerinnen im Leistungssport, dem damit verbundenen Druck und den Erwartungen von Außen. Die Trainer:innen treiben die Mädchen psychisch bis an ihre Grenzen, schlagen sie und lassen sich dann für die sportlichen Erfolge feiern. Diese Passagen lesen sich wie ein erzählendes Sachbuch und nahmen mich mit durch die Jahrzehnte bis in die Gegenwart zu Simone Biles und Larry Nassar.

Amik ist im Gegensatz dazu eine fiktive Person, die ähnliches erlebt wie die historischen Vorbilder und die als Ich-Erzählerin die Leser:innen nah an sich heranlässt. Hautnah konnte ich mitverfolgen, wie sie mithilfe eines starken Willens und Ehrgeiz ihre Karriere im Turnsport aufbaut und was sie dafür in Kauf nehmen muss. Ihre Eltern werden kaum erwähnt, für Freunde bleibt keine Zeit, die Beziehung zu den anderen Turnerinnen schwankt zwischen Zusammenhalt und Konkurrenz, ihr ganzes Leben gilt dem Sport. Im Gegenzug erhält sie viel Druck und wenig Anerkennung. Dass sie sportlich lange Zeit sehr erfolgreich war wird kaum erwähnt, an diese schönen Erinnerungen verschwendet sie kaum einen Gedanken. Was bleibt ist eine ernüchternde Bilanz und die Erkenntnis, das sich Amiks Schicksal immer wieder auf ähnliche Weise wiederholt.

Dass unter der glitzernden Oberfläche der Welt des Turnsports Abgründe lauern, ist keine neue Information. Son Lewandowski gelingt es, ihre Leser:innen nah an die Schicksale der Turnerinnen heranzuholen und sie nicht nur mit Amik mitfühlen zu lassen, sondern auch mit all den Generationen an Turnerinnen, wobei die Frage aufkommt, wieso das System schon so viele Jahrzehnte voller Selbstverständlichkeit bestehen kann. Zentrale Sätze werden häufig wiederholt und prägen sich damit besonders ins Gedächtnis ein. Mir persönlich haben die Passagen des kollektiven Wirs etwas besser gefallen als Amiks Geschichte, hier fehlte mir in der Gegenwart die Entwicklung der Figuren. Wer tiefer in die Welt des Turn-Leistungssports eintauchen und hinter die Fassade blicken möchte, der ist bei „Die Routinen“ genau richtig.


Mittwoch, 28. Januar 2026

Rezension: Great Big Beautiful Life von Emily Henry

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Great Big Beautiful Life
Autorin: Emily Henry
Erscheinungsdatum: 02.05.2025
Verlag: Knaur
rezensierte Buchausgabe: Taschenbuch
ISBN: 9783426284353
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„Great Big Beautiful Life“ ist der erste Roman der US-amerikanischen Autorin Emily Henry, den ich gelesen habe. Das Buch verbindet Romance mit einer fiktiven Familiengeschichte, die sich über ein Jahrhundert erstreckt. Im Mittelpunkt steht Margaret Grace Ives, die inzwischen betagte Enkelin eines Medienmoguls. Einst als „Prinzessin der Boulevardpresse“ bekannt, hat sie sich nach zahlreichen Skandalen vor Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Die Journalistin Alice Scott spürt Margaret auf Little Crescent Island auf. Dort erklärt sich diese bereit, aus ihrem Leben zu erzählen, allerdings nicht nur Alice, sondern auch dem Literaturpreisträger Hayden Anderson. Beide erhalten eine Probezeit, bis sie sich für einen von ihnen entscheiden wird. Außerdem untersagt Margaret ihnen, sich gegenseitig über ihre Gespräche mit ihr auszutauschen.

Zeit ihres Lebens verfügte Margaret über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, doch bis zu ihrem Rückzug stand sie permanent im grellen Licht der Medien. Emily Henry zeigt eindrücklich, wie man im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten zu Reichtum und Ruhm gelangen konnte. Sie beleuchtet dabei die Macht der Presse, die maßgeblich zur Meinungsbildung beiträgt. Es wird deutlich, dass die schillernde Welt der Berühmtheiten, die verbunden ist mit ständiger öffentlicher Aufmerksamkeit auch eine hässliche Seite haben kann.  

Emily Henry wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Alice berichtet von den Ereignissen in der Gegenwart in der Ich-Perspektive, während sie die Rückblicke auf Margarets Geschichte als allwissende Erzählerin wiedergibt. Zu Beginn entwickelt sich die Beziehung zwischen Alice und Hayden nur langsam, gewinnt dann zunehmend an Bedeutung, bis sie zeitweise stagniert. Der Spice zwischen den beiden nimmt im Verlauf der Handlung spürbar zu. Ihre Konkurrenz sorgt anfangs für Misstrauen. Durch die gewählte Erzählperspektive bleiben Haydens Gefühle teilweise verborgen, während die von Alice gut nachvollziehbar sind.

Der Roman „Great Big Beautiful Life“ von Emily Henry sorgt für unterhaltsame Lesestunden. Die Autorin schreibt lebendig, mit emotionaler Tiefe und feinem Humor. Auch wenn einige Entwicklung in der Liebesbeziehung vorhersehbar sind, überzeugt der Roman durch überraschende Wendungen auf beiden Erzählebenen sowie durch gut gehütete Geheimnisse in Margarets Familie. Gerne empfehle ich das Buch weiter.


Sonntag, 11. Januar 2026

Rezension: Three Shattered Souls - Macht ist Lüge von Mai Corland


Three Shattered Souls - Macht ist Lüge
Autorin: Mai Corland
Übersetzerinnen: Gesine Schröder, Nadine Mutz & Nadine Püschel
Hardcover: 480 Seiten
Erschienen am 30. Dezember 2025
Verlag: FISCHER Tor
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Mithilfe des Wasserzepters konnten Mikail, Sora, Aeri und Royo aus Khitan entkommen. Auf Gaya bleibt ihnen jedoch kaum Zeit zu verschnaufen, denn dank eines astronomisch hohen Kopfgelds sind die die meistgesuchten Personen der vier Reiche. Während sich Fürst Seok zum König ausrufen lässt, obwohl König Joon überhaupt nicht gestorben ist, stellt sich für die Gruppe die Frage, mit wem sie sich verbünden können. Erneut spielt so manch einer ein doppeltes Spiel. Werden sie sich behaupten können?

Nach den spannenden Ereignissen des zweiten Bandes wird es in diesem abschließenden Teil der Trilogie schnell wieder brenzlig. Mikail, Sora, Aeri und Royo hatten darauf gehofft, in Gaya ihre Kräfte zu sammeln und sich die nächsten Schritte in Ruhe zu überlegen. Doch bald schon findet der nächste Angriff auf ihr Leben statt. Mithilfe des Wasserzepters bewegt sich die Gruppe nun in großer Geschwindigkeit von einem Ort zum anderen, wodurch das Tempo hoch ist und ich schnell wieder mittendrin war.

Die Kapitel sind erneut aus wechselnden Perspektiven geschrieben und ich konnte mich sehr gut in die Charaktere hineinversetzen. Die erlebten Verluste haben vor allem Mikail und Sora schwer zugesetzt. Inzwischen ist der Gruppe klar, dass sie weitermachen müssen, bis sie ihre Ziele erreicht haben oder der Tod auf sie wartet. Auch Tiyung kommt wieder zu Wort, dieser ist noch immer mit Hana unterwegs und versucht, die Gruppe zu finden oder ihr zu helfen. 

Was mir an der Reihe wirklich gut gefällt sind die vielen unerwarteten Wendungen. Es gibt zahlreiche Geheimnisse und es ist oftmals nicht klar, wer hier eigentlich wem helfen will. Zweckbündnisse werden plötzlich wieder verworfen und es kommt unerwartete Hilfe, mit der man nicht gerechnet hätte. Am Ende warten eine große Schlacht und viele emotionale Szenen, welche die Reihe wirklich gelungen abschließen. Mich hat dieser finale Band wie auch die ganze Trilogie sehr gut unterhalten können!


Donnerstag, 25. Dezember 2025

Rezension: Himmelerdenblau von Romy Hausmann

 


Rezension von Ingrid Eßer

Titel: Himmelerdenblau
Autorin: Romy Hausmann
Erscheinungsdatum: 27.08.2025
Verlag: Penguin
Buchformat: Klappenbroschur
ISBN: 9783328604280
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Das titelgebende Wort des Thrillers „Himmelerdenblau“ wurde von der mit sechszehn Jahren verschwundenen Julie als Kind erfunden und fungiert daher passend an einer Stelle als Safety Word. Die Podcast-erfahrene Autorin Romy Hausmann lässt im Buch in einem entsprechenden Medienformat das Paar Liv und Phil den zwanzig Jahre zurückliegenden Fall der noch immer vermissten Julie neu aufrollen. Die beiden suchen nach einem spektakulären neuen Puzzleteil, dass zu einer endgültige Aufklärung führen könnte.

Liv ist eine von mehreren Figuren, auf die sich der Fokus in ständig wechselnden Perspektiven richtet. Dazu gehört auch Daniel, der damalige Freund der Verschwundenen. Einen besonders breiten Raum nimmt Theo ein, der Vater von Julie. Seine Demenz stellt die Autorin eindrucksvoll und glaubwürdig dar. Sein Stolz beruht darauf, einst der Leiter der Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Charité gewesen zu sein.

Romy Hausmann spielt mit den Lesenden, indem sie einige falsche Fährten auslegt. Kaum glaubt man, ein mögliches Szenario der damaligen Ereignisse erkannt zu haben, stellt es sich als Irrweg heraus. Gegen Ende wird eine der handlungstragenden Figuren tot aufgefunden, was nochmals zu einer überraschenden Wendung der Ereignisse führt. Erst auf den letzten Seiten überzeugt die Autorin mit einer Lösung, die man so nicht unbedingt erwartet hätte und die zugleich den Einsatz von Theo für seine Familie betont.

Der Thriller „Himmelerdenblau“ ist aufgrund zahlreicher unerwarteter Entwicklungen nicht nur durchgehend spannend, sondern durch Theos Schicksal auch berührend. Gerne empfehle ich das Buch an alle Lesenden des Genres weiter.

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