Rezension von Ingrid Eßer
Titel: Solange ein Streichholz brennt
Autor: Christian Huber
Erscheinungsdatum: 26.03.2026
Verlag: dtv (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783423285407
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In seinem Roman „Solange ein Streichholz brennt“ führt
Christian Huber zwei sehr unterschiedliche Figuren behutsam aufeinander zu: Zum
einen Alina Alev, die als Fernsehjournalistin für einen großen Sender in Köln
arbeitet, und andererseits den 36-jährigen Daniel Bohm, der seit fünf Jahren
auf der Straße lebt. Der Titel bezieht sich auf ein Spiel zwischen der beiden
Hauptfiguren und verweist zugleich auf die Kürze eines Moments, der
lebensverändernd sein kann.
Alinas Eltern haben hart dafür gearbeitet, damit ihrer
Tochter einmal den Beruf ergreifen kann, den sie sich wünscht. Bisher hat Alina
als Reporterin nur überschaubare Erfolge verzeichnet. Im Augenblick sieht es sogar
so aus, als ob sie ihr die Entlassung droht. Als der Sender ihr stattdessen
aber anbietet, sich an einem Projekt über das Sozialgefüge der Republik zu
beteiligen, sieht sie darin eine Chance, sich nicht nur zu beweisen, sondern
auch Anerkennung zu gewinnen und damit auch ihre Eltern stolz zu machen.
Im Umgang mit Bohm zeigt sich bald, dass Alina nicht die taffe
Journalistin ist, die für Ruhm und Erfolg alles zu tun bereit ist. Sie Eine
Mitarbeiter der Bahnhofsmission gibt ihr den Hinweis, wo sie Bohm finden kann,
der ihr als geeignet für das angefragte Fernsehprojekt scheint. Alina lernt den
Obdachlosen kennen, kurz nachdem ihm ein Hund zugelaufen ist, der schnell dessen
Herz erobert hat. Letztlich wird er der Grund dafür sein, dass Bohm sich für
die Teilnahme am Projekt entscheidet. Der Autor gewährt einen Blick hinter die
Kulissen der Fernsehberichterstattung und zeigt auf mit welchen fragwürdigen Mitteln
manche Beiträge aufsehenerregend dramatisiert werden können.
Gleich von Beginn an schildert Christian Huber das Leben von
Bohm auf der Straße mit all seiner Härte, so dass sich ein berührendes und
glaubhaftes Bild entsteht. Bohm trägt einen geheimnisvollen Brief bei sich, der
durch das Nichtwissen über den Inhalt für subtile Spannung sorgt. Der Grund,
warum der Obdachlose ihn nicht öffnet, bleibt lange im Verborgenen. Erst sein Inhalt
zeigt die Persönlichkeit Bohms in all seinen Facetten, zu denen auch sein
zynischer Wortwitz gehört, der der bewegenden Geschichte immer wieder eine aufheiternde
Seite verleiht.
Der Roman ist mehr als eine Liebesgeschichte zwischen zwei Personen
aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Er ist auch eine einfühlsame
Auseinandersetzung mit der Würde jedes Menschen und den Vorurteilen, die unser
Verhalten beeinflussen.
Der Roman „Solange ein Streichholz brennt“ überzeugt mit vielschichtigen Figuren und einem denkbaren Szenario in einem herausfordernden sozialen Umfeld, das Christian Huber feinfühlig beschreibt. Die Geschichte fasziniert mit einer gelungenen Handlung, die bewegt und in Erinnerung bleibt. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.









