Autorin: Anne Freytag
Erscheinungsdatum: 22.04.2026
Verlag: Kampa (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783311101666
Der Münchner Kenni ist die zentrale Figur und zugleich
Ich-Erzähler des Romans „Laute Nächte“ von Anne Freytag. Seit dem Unfalltod
seiner Freundin hat er den Halt im Leben verloren. Vorher hatten sie gemeinsam
einen festen Plan: Sie hatten einen Camper hergerichtet, um damit drei Wochen
lang auf Reisen zu gehen. Einige Zeit nach diesem einschneidenden Verlust zieht
Kenni schließlich ohne große Erwartungen nach Wien, wo er ein Zimmer in einer
Wohngemeinschaft gemietet hat.
Anne Freytag gelingt es von Beginn an, Kennys Gefühlswelt
authentisch darzustellen. Seine Orientierungslosigkeit und die Unfähigkeit, den
Verlust zu begreifen oder angemessen damit umzugehen, werden glaubhaft
vermittelt. In der WG lernt er drei sehr verschiedene Mitbewohnende kennen, die
prägend für seine Zukunft sein werden. Da ist zunächst sein Vermieter Paul, der
mit Tennis ein kleines Vermögen verdient hat und ihm nun genauso verloren erscheint,
wie er selbst sich fühlt. Beiden gelingt es zunächst nicht, sich anderen
gegenüber zu öffnen und über ihre Erfahrungen der vergangenen Zeit zu reden. Während
Elif gesellig und lebensfroh ist, zieht Julia sich lieber in ihr Zimmer
zurückzieht.
Die Autorin zeigt einfühlsam, wie es Kenni schrittweise
gelingt, neben seiner anhaltenden Trauer, verdrängte Gefühle wieder zuzulassen
und auf diese Weise langsam neue Freude am Leben zu finden. Als er sich
schließlich dazu entschließt, die geplante Reise doch anzutreten, entscheidet
Elif sich, ihn zu begleiten. Neun Jahre später finden sich seine früheren
Mitbewohnenden zu einer Ausstellung seiner Arbeiten in Zürich ein. Der Abend
bringt für Kenni erneut eine große Veränderung in seinem Leben, die er so nicht
erwartet hätte.
In Rückblicken, aber auch in der Folgezeit setzt Kenni sich
mit seiner immer noch vorhandenen Trauer zunehmend kritisch auseinander, wobei
er seine Gefühle für Elif stets als Verrat an seiner verstorbenen Freundin
sieht. Die Darstellung der inneren Zerrissenheit mit all ihren Höhen und Tiefen
ist dabei authentisch und glaubhaft. Trotz des schweren Themas wirkt „Laute
Nächte“ jedoch nie bedrückend, sondern lebt von der besonderen Dynamik der WG und
den gemeinsamen Nächten, in denen Erfahrungen gemacht werden, die das Leben
nachhaltig verändern können. Diesen Roman über Verlust, Freundschaft und Neuanfang
empfehle ich den Roman weiter.









