Der Titel des Romans „Alleinruhelage“ bezeichnet den
besonders ruhigen Standort des Hauses, das die unbenannte Ich-Erzählerin im gleichnamigen
Buch von Eva Menasse verkaufen möchte. Es steht an einem fiktiven Ort in
Mecklenburg-Vorpommern, von Wald umgeben und mit einem See in unmittelbarer
Nähe. Die aus Österreich stammende Verkäuferin hat dort viele Jahre mit ihrer
Familie die Wochenenden verbracht, manchmal aber auch wochenlang in
Schreibklausur. Nun jedoch unternimmt sie einen erneuten Versuch, das Haus zu
verkaufen.
Nachdem sie den endgültigen Beschluss gefasst hat, neue
Käufer zu finden, wandern ihre Gedanken zurück zu den Anfängen ihrer Ehe und
dem bald darauf entstandenen Wunsch, ein Wochenendhaus zu kaufen. Bei ihrer
Suche findet das Ehepaar ein abgelegenes ehemaliges Wirtshaus, in dessen
Umgebung sich eine Siedlung mit mehreren Datschen befindet. Durch das Verhalten
einiger Bewohner dieser Sommerhäuser ergeben sich immer wieder besondere
Situationen, nicht zuletzt, weil ein Verein, dem sich auch die
Ich-Erzählerin anschließt, das nachbarschaftliche
Miteinander regelt.
Es sind vielfältige Themen, die die Verkäuferin aufgreift:
amüsante, ernste, gesellschaftskritische und persönliche. Ein Bautrupp, der zum
Ausmisten und Reparieren des Gebäudes anrückt, beschreibt sie als Vergnügen,
wohingegen sie das Verhältnis zu ihrer Tochter als belastet schildert. Ihre
Erinnerungen reichen teils sogar bis zu ihrer Kindheit zurück, wobei die
Begebenheiten authentisch wirken und ihre Gefühle gut nachvollziehbar sind. Es finden
sich auch interessante Fakten, die bewegen und nachdenklich stimmen. Einige
Ereignisse werden in politische Zusammenhänge von Ost- und Westdeutschland
sowie Österreich eingeordnet.
Der Roman „Alleinruhelage“ von Eva Menasse ist ein facettenreicher
Rückblick der Protagonistin auf ihr Leben, die ohne Schwermut ihr Wochenendhaus
verkaufen möchte. Die vielfältigen Ereignisse, die sie während ihrer
Aufenthalte dort erlebt hat, haben schöne, traurige, wütende und versöhnliche
Erinnerungen hinterlassen. Die Geschichte vermittelt eine breite Palette an
Stimmungen und macht zugleich Mut, sich auf einen Neuanfang einzulassen. Das
Buch hat mich angenehm überrascht und ich empfehle es sehr gerne weiter.









