Rezension von Ingrid Eßer
Titel: Brombeerblaue Tage
Autorin: Simone Veenstra
Erscheinungsdatum: 15.05.2026
Verlag: Rowohlt Wunderlich (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Hardcover mit Schutzumschlag und Leseband
ISBN: 9783805201292
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Der Roman „Brombeerblaue Tage“ von Simone Veenstra nimmt die
Lesenden an der Seite der Protagonistin Elisa, einer Landschaftsarchitektin,
mit nach Rügen. Sie folgt damit einem Anruf ihres Vaters, der sie kurzfristig bittet,
sich während eines Routine-Checks in einem Krankenhaus auf dem Festland um seinen
renovierungsbedürftigen Gutshof und seinen Hund zu kümmern.
Die vierundvierzigjährige Elisa ist selbständig, lebt in
Berlin und hat wegen der Auftragslage kaum Zeit für anderes. Der Hof und die Gartenanlage
sind in einem bedauerlichen Zustand. Gleichzeitig lebt ihre Leidenschaft für
Pflanzen und Gärten neu auf, die einst in den Ferien von ihrer inzwischen
verstorbenen, in den Niederlanden lebenden Großmutter geweckt wurde. Diese Naturverbundenheit
spricht aus den Buchzeilen und spiegelt sich auch in den illustrierten
Pflanzensteckbriefen wider, die jedem Kapitel vorangestellt sind.
Während Elisa versucht, ihre beruflichen Verpflichtungen von
Rügen aus weiterzuführen, verschlechtert sich der Gesundheitszustand ihres
Vaters. Sie gerät immer stärker in den Konflikt zwischen beruflicher
Verantwortung und familiärer Fürsorge, bis sie schließlich selbst an ihre
Belastungsgrenze stößt.
Simone Veenstras erzählt eine Geschichte, die nah am Leben
ist. Vor allem Frauen haben im mittleren Lebensalter häufig den Spagat zwischen
pflegebedürftigen Eltern und den Anforderungen ihres Berufs zu bewältigen. Bei
Elisa kommt hinzu, dass sie auf Rügen mit ihrer Liebe zur Natur genau das
findet, was ihr gefehlt hat und ihr gut tut. Durch die Begegnungen mit Nachbarn
und einer engen Freundin ihres Vaters erkennt sie, wie sehr ihr diese
Verbundenheit gefehlt hat. Es ist ein Gefühl, das sie nicht nur früher bei der
Großmutter genossen hat, sondern das auch ihren Berufswunsch maßgeblich prägte.
Gleichzeitig verschweigt die Autorin nicht die Schattenseiten von Elisas Job.
Der Roman thematisiert ebenfalls die entstehenden Probleme
einer Person, die unter einem postoperativen Delir leidet. Die Schilderungen
wirken besonders authentisch, weil darin die persönlichen Erfahrungen der
Autorin eingeflossen sind. Medizinische Hintergründe und hilfreiche Ratschläge
werden glaubwürdig in die Handlung integriert. Ebenso feinfühlig beschreibt
Simone Veenstra die Annäherung zwischen Vater und Tochter, deren Beziehung über
viele Jahre von Distanz geprägt war.
In ihrem Roman „Brombeerblaue Tage“ zeigt Simone Veenstra mit
viel Empathie und aus eigener Erfahrung wie wohltuend und heilsam die Nähe zur
Natur sein kann. Sie erzählt von der Suche nach dem, was im Leben wirklich
wichtig ist und dem Mut zu einem Neuanfang. Ein berührendes Buch, das ich gerne
weiterempfehle!









