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Titel: ... und morgen werde ich dich vermissen
Titel: ... und morgen werde ich dich vermissen
Autor: Heine Bakkeid
Übersetzerin: Ursel Allenstein
Erscheinungsdatum: 23.06.2017
Verlag: Rowohlt Polaris (Link zur Buchseite des Verlags)
rezensierte Buchausgabe: Klappenbroschur
Ein dunkler Leuchtturm, der über Seegras mit dem Meer
verbunden scheint und von einem undurchdringlichen türkisblau umgeben ist,
bildet das Cover zum Thriller „… und morgen werde ich dich vermissen“ des
Norwegers Heine Bakkeid. Es passt gut zu dem vorliegenden Buch mit seiner
zunächst undurchsichtigen verwobenen Geschichte. Der Titel bezieht sich nicht
direkt auf die Aussage einer Person der Geschichte, sondern eher darauf, dass
der Protagonist Thorkild Aske sich in Frei, eine junge Studentin verliebt hat,
die gemeinsam mit ihm in einen Unfall verwickelt war und dabei ums Leben
gekommen ist, wie man ihm als Schwerverletzten später erzählt hat.
Thorkild, über 40 Jahre alt, geschieden und kinderlos, war bis
zu seinem Unfall bei einer Spezialeinheit der norwegischen Polizei für interne
Ermittler beschäftigt. Noch bevor ihm eine neue Stelle vom Arbeitsamt
vermittelt wird, bittet ihn sein betreuender Psychologen um einen Gefallen. Er soll für ein Elternpaar das
plötzliche Verschwinden ihres Sohnes aufklären, der einen Leuchtturm in
Nordnorwegen zu einem Eventhotel umbauen wollte. Trotz seiner anfänglichen
Weigerung übernimmt er den Auftrag. Nach ersten ergebnislosen Befragungen im
Umfeld des bis dato unauffindbaren Sohns wird eine Leiche in einer stürmischen
Nacht auf der Leuchtturmwärterinsel angespült und verschwindet fast genauso
schnell wieder. Thorkild konnte jedoch vorher die Leiche grob untersuchen. Es
handelte sich um eine Frau, die aber von niemand vermisst wird. Mit seiner Bitte,
ihn von der Insel abzuholen, löst er eine weitere Reihe von Unerklärlichem aus.
Er beginnt zu ermitteln, auch zu seiner eigenen Sicherheit, denn aus der
Beschreibung der Geschehnisse könnten sich auch Hinweise gegen ihn richten
lassen.
Der Thriller ist aus der Sicht von Thorkild geschrieben, so
bleibt der Leser immer an seiner Seite bei den Ermittlungen und kann seine
Wahrnehmungen teilen. Die verwendete Zeitform im Haupthandlungsstrang ist das Präsens.
Auf diese Weise hatten die Ereignisse auf mich einen unmittelbareren Eindruck.
Dennoch blieb mir die Figur des Thorkild bis zum Schluss suspekt. Bereits durch
den Prolog wusste ich, dass er Selbstmordgedanken hegt, mir wurde aber nicht
ganz deutlich, ob sich der Wunsch über eine Zeit entwickelt hat oder aus
Gelegenheiten heraus erwächst. Er fährt eine harte Linie im Leben mit Teils
verwendeter brutaler Gewaltübergriffe. In Einschüben finden sich die
Erinnerungen von Thorkild vom Kennenlernen Freis an bis zum Unfall, der dubios
bleibt. Nirgends scheint Thorkild mit offenen Armen aufgenommen zu werden, was
vielleicht seiner speziellen Art des Humors geschuldet ist den nicht jeder
versteht.
Die Konstruktion des Thrillers ist gelungen, wenn es auch
einige mysteriöse Handlungen gibt, die nicht hätten sein müssen, weil sie nicht
unmittelbar zur Fallaufklärung benötigt werden und die Darstellung auf mich
realitätsfern wirkte. Nach einem eher mühsamen Anfang wächst die Spannung
deutlich mit dem Fund der weiblichen Leiche. Bereits vorher hat der Autor den
Leser mit in eine unwirtliche Gegend nach Nordnorwegen genommen und untermalt
die Ermittlungen mit Kälte, Sturm und Einsamkeit. Nicht alltägliche Gerüche und
Geräusche glaubte ich als Leser beinahe zu spüren. Interessant fand ich die
Frage danach, wie man jemanden wie Thorkild verhören soll, der sich selber
ausgiebig mit Methoden der Verhörtechnik beschäftigt und auch ausgeführt hat.
„… und morgen werde ich dich vermissen“ ist ein Thriller der
mich nicht uneingeschränkt überzeugen konnte. Zwar war die Handlung nach einer
Einführung einiger wichtiger Charaktere und der Vergabe des Auftrags zum
Aufsuchen einer vermissten Person zunehmend spannend bis zum Schluss, aber ich
konnte die Handlungen des Protagonisten nicht immer nachvollziehen. Das Buch
ist der Auftakt zu einer Serie mit Thorkild Aske als Ermittler. Wer gerne
Thriller liest und mit Gewalt keine Probleme hat, ist hier richtig.