Samstag, 29. März 2025

Rezension: Stromlinien von Rebekka Frank

 

Stromlinien
Autor: Rebekka Frank
Hardcover: 512 Seiten
Erschienen am 26. März 2025
Verlag: FISCHER
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Die Teenager Enna und Jale sind Zwillinge und wohnen bei ihrer Oma Ehmi in den Elbmarschen. Schon lange zählen sie die Tage herunter, bis ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Warum sie dort seit mehr als dreißig Jahren einsitzt, wissen die beiden nicht. Doch am Tag der Entlassung kommt alles anders als gedacht: Jale ist verschwunden, und Enna erfährt, dass ihre Mutter Alma schon seit zwei Wochen auf freiem Fuß ist. Gleichzeitig kommt jemand uns Leben, weil sein Sportboot auf der Elbe sinkt. Die Identität des Toten ist unklar, doch die Polizei scheint unerklärlicherweise eine Verbindung zwischen den Ereignissen herstellen zu wollen. Enna beschließt, sich selbst auf die Suche nach Jale, ihrer Mutter und der Wahrheit zu machen.

Gleich zu Beginn des Romans gibt es einen kurzen Einschub, in welchem eine unbekannte Person in der Elbe ertrinkt und von ihrem Strom mitgerissen wird. Um wen es sich handelt bleibt unklar. Da nach wenigen Seiten sowohl von Ennas Zwillingsschwester als auch von ihrer Mutter jede Spur fehlt fragte ich mich beim Lesen stets, ob eine der beiden die ertrunkene Person ist und jemand ganz anderes. Auch sonst wird schnell klar, dass der Roman voller Geheimnisse ist. Was ist Jale zugestoßen? Warum hat Alma bezüglich ihres Entlassungstermins gelogen? Und wieso haben weder Alma noch Oma Ehmi je über den Grund für die jahrzehntelange Haftstrafe geredet?

Die meisten Kapitel sind aus der Sicht von Enna erzählt, die abgesehen von der engen Beziehung zu Jale keine tieferen Freundschaften pflegt und mit ihren grünschwarzen Haaren, ihren Piercings und Tatoos ihrem Umfeld signalisiert, ihr nicht zu nahe zu kommen. Doch unter der harten Schale steckt ein weicher Kern. Sie ist mir als Protagonistin schnell sympathisch geworden und ich hoffte mit ihr darauf, herauszufinden, was vor sich geht. Einzelne Kapitel aus der Sicht anderer Personen, die häufig auch zu anderen Zeiten spielen, ließen mich die Zusammenhänge allmählich besser verstehen.

Der Roman spielt zum größten Teil in den Elbmarschen. Der Autorin gelingt es durch ihre atmosphärischen Beschreibungen, das Setting vor dem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Mit ihrem Boot ist Enna auf der Suche nach Jale oft auf der Elbe unterwegs und streift durch die Landschaft. Auch die Geschichte ihrer Mutter und weiterer Verwandter führt immer wieder aufs Wasser zurück. Ihr Mitschüler Luca bietet Enna schließlich seine Unterstützung an, doch ist sein Motiv dafür tatsächlich reine Hilfsbereitschaft, oder steckt mehr dahinter? Immer wieder kommen überraschende Wahrheiten ans Licht und Geheimnisse werden gelüftet. Gleichzeitig werden neue Fragen aufgeworfen. Es gibt in diesem Roman viele dramatische und tragische Ereignisse, wobei es mir an einigen Stellen etwas zu weit ging. Er hat jedoch auch leichte Momente und eine hoffnungsvolle Note. Insgesamt ist „Stromlinien“ eine spannende Lektüre, die ich kaum aus der Hand legen konnte und daher absolut weiterempfehlen kann!

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